Der Standort - ein Erfolgsfaktor für Ihr Unternehmen
Existenzgründer haben eine schier unendliche Zahl an Entscheidungen zu treffen: Von der Wahl des Alleinstellungsmerkmals über die Rechtsform bis hin zur Betriebsgröße gilt es so viele Fragen zu beantworten, dass die nach dem Standort oft quasi im Vorbeigehen entschieden wird. „Gerade Kleingründer wählen ihren Unternehmenssitz viel zu oft einfach nach der größten Nähe zur eigenen Wohnung oder der geringsten Ladenmiete aus. Leider ist das aber nur auf den ersten Blick lukrativ oder zeitsparend“, beschreibt STRATEGAM Regional Director Dr. Wilfried Gessner aus Berlin den Irrtum vieler Gründer. Denn öfter als gedacht wird ein ungünstiger Standort zum entscheidenden Zünglein an der Waage des unternehmerischen Misserfolgs. „Viele gescheiterte Gründer wissen nicht einmal, dass sie im Grunde alles richtig gemacht haben, aber einfach am falschen Ort waren.“, erklärt Gessner. Die hohe Quote der „fehlplatzierten“ Startups sei aber leider nicht verwunderlich, denn bei der Suche nach dem idealen Standort seien viele komplexe Faktoren zu berücksichtigen. Zudem variieren die Kriterien zur Standortwahl stark nach Branche und Größe des Unternehmens. Dabei spielt beispielsweise eine Rolle, ob das Geschäftsmodell von Kunden abhängig ist, die ein Ladengeschäft aufsuchen, wie im stationären Einzelhandel. In diesem Fall muss auch genügend Umsatzpotenzial durch die ortsansässige Bevölkerung sowie durch zusätzlich zuströmende Personen gewährleistet sein.
Eine sinnvolle und nachhaltige Standortentscheidung beruht immer auf harten Zahlen, Fakten und Daten. Wer seinen Standort ohne diese Marktinformationen wählt, pokert hoch – denn einmal angesiedelt, ist eine Korrektur des Betriebssitzes grundsätzlich mit Einbußen verbunden und bei Kleinbetrieben sogar oft nicht finanzierbar. Die wichtigsten Daten für eine Standortanalyse sind sogenannte kleinräumige Kaufkraftdaten (abrufbar beispielsweise über die infas geodaten GmbH LINK). Andere Zahlen erfordern komplexe Rechnungen, wie beispielsweise die Einzugsgebietsberechnung nach Zeitdistanzen oder die Gravitationsmodellierung. Laut Dr. Gessner kann diese Zahlen eigentlich nur ein Profi zuverlässig unter Einsatz von Standort-Software ermitteln, weswegen ein Gang zum spezialisierten Gründungsberater angeraten ist. „Und die Analyse vom Profi lohnt sich dann meist doppelt“, fügt er hinzu, „weil mit den Informationen dann auch eine gezieltere Einsatzplanung für Werbemitteln erstellt werden und Streuverluste minimiert werden können. So hält man gleich auch eine Eroberungsstrategie gegenüber Wettbewerbern in der Hand.“
Harte und weiche Standortfaktoren
Es gibt sogenannte harte Standort-Faktoren, die sich in Zahlen und Daten darstellen lassen und einen messbaren Erfolgswert für das Unternehmen haben, und weiche Faktoren (in der Regel Wohnumfeld, Umweltqualität, Freizeitwert), die für nicht oder schlecht messbare Erfolgskriterien wie beispielsweise die Mitarbeitermotivation erheblich sind. Hier die wichtigsten harten Standortfaktoren:
Kunden
Dieser Standortfaktor ist in erster Linie für Unternehmen des Einzelhandels relevant: 70 % aller potenziellen Kunden wohnen nur bis zu 5 Minuten entfernt vom Standort! Hierzu gehört auch die Verkehrsinfrastruktur: Welche Anfahrtswege müssen die Kunden in Kauf nehmen? Studien zufolge sind 30 Minuten die Höchstgrenze für einen Anfahrtsweg zum Einkauf; das entspricht der äußeren Grenze des unternehmerischen Einzugsgebiets. Allerdings variieren die Werte auch in Abhängigkeit von der Siedlungsdichte.
Konkurrenz
Hier müssen zwei Fragen beantwortet werden: 1. Wie viel Konkurrenz gibt es? 2. Wie gut ist sie? Wird ein Standort trotz hochwertiger Konkurrenz gewählt, ist es notwendig, sich durch abweichende Angebote oder Dienstleistungen möglichst stark von ihr abzuheben; schon ein abweichendes Ladenimage kann bei ähnlicher Produktpalette eine andere Kundschaft anlocken.
Gewerbefläche
Manche Standorte sind nur für bestimmte Unternehmenstypen verfügbar. Ob eine Gewerbefläche als Standort genutzt werden kann, hängt oft auch vom Baurecht ab.
Kosten
Neben der Miete bzw. dem Immobilienkaufpreis spielt auch die Höhe der Gewerbesteuer eine Rolle. Die Gewerbesteuersätze sind von Seiten der jeweiligen Kommunen gegeben und können stark voneinander abweichen. Bei Miet- oder Pachtpreisen ist das Preis-Leistungsverhältnis genauso maßgeblich wie der Rahmen, den der Gründungsfinanzplan vorgibt. Sind die Nebenkosten im Vergleich zu anderen Objekten angemessen? Doch Vorsicht: Sind alle anderen Faktoren optimal, sollte allein wegen einer günstigeren Miete oder Pacht kein schlechterer Unternehmens-Standort gewählt werden! Studien ergaben, dass Standorte, die allein aus Kostengründen gewählt wurden, später häufig zu erzwungenen (und teuren) Standortwechseln geführt haben.
Eine Auflistung weicher Standortkriterien finden Sie hier.
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(Quelle: STRATEGAM Redaktion)