Das Geschäft mit den Geschäftsideen: Start-Ups kaufen Konzepte
Die besten Geschäftsideen entstehen in laufenden Betrieben. Denn nur wo Fachwissen erworben wird und zur Anwendung kommt, eröffnen sich echte Notwendigkeiten für Neuerungen. Manch ein Unternehmer hat zukunftsträchtige Konzepte in seiner Schreibtischschublade liegen – und weder Zeit noch die Kapazitäten, um sie umzusetzen.
Dieses Problems nehmen sich in jüngster Vergangenheit deutsche Universitäten an. In Gründerzentren bringen sie Hochschulabgänger mit Gründungsambitionen und Profis mit ungenutzten Geschäftsideen zusammen und helfen so neuen Start-Ups auf den Weg. Die Universität Paderborn tut dies so erfolgreich, dass sie sich in der deutschen Vorrunde des European Enterprise Award jüngst gegen 80 Mitbewerber durchgesetzt hat. Neben der Vermittlung von Gründern und Konzepten hilft sie auch bei der Weiterentwicklung der übernommenen Konzepte bis zur Marktreife und beim Schreiben von Businessplänen. Auch eine schnelle Weiterbildung in BWL den angehenden Jungunternehmer, seines Zeichens Computerfreaks, gehört hin und wieder zur Vermittlungsarbeit der Gründerzentren – schließlich möchte niemand seine Geschäftsidee an betriebswirtschaftliche Laien aus der Hand geben, mag das Fachwissen noch so groß sein. Kommt es zu einer Zusammenarbeit, schließen Gründer und Berater Kooperations- und Geheimhaltungsverträge ab - der Ideenlieferant leistet Anlaufhilfe für sein Konzept und wird zum Gesellschafter mit Aussicht auf zukünftige Gewinne.
Vermittlungsinstanzen zwischen Gründern und Ideengebern sind notwendig, da sie Vertrauen schaffen, ohne das die meisten Unternehmer ihre kostbaren Pläne nicht aus der Hand geben würden. Daher mangelt es auch meist nicht an Gründungswilligen, sondern an Unternehmern, die bereit sind, ihre vertagte Zweit- oder Drittgründung einem Neuling zu überlassen. Hier ist von Seiten der Vermittler Diplomatie gefragt – und bürokratisches Gründerwissen. Wenn der klassische Ansatz, eine Geschäftsidee gegen Firmenanteile zu „tauschen“, den zukünftigen Gesellschaftern nicht genügt, kann zum Beispiel eine Umsatzbeteiligung vereinbart werden, die dem Ideengeber eine schnelle Dividende in Aussicht stellt.
Das Prinzip eines gekauften Konzepts gegen Firmenanteile ist nicht neu. Was die Gründerabteilungen der Universitäten betreiben, ist Franchising im Kleinen, allerdings mit dem beträchtlichen Unterschied, dass es keine erfolgserprobten Pilotbetriebe gibt, und somit keinen Mitverdienst an einer bekannten Marke. Auch sind die Regeln lockerer: Während ein Franchise-Vertrag im Detail Betriebsstrukturen und Abläufe vorgibt, ist das Verhältnis zwischen Ideengeber und Gründe das eines Beraters und eines vollmächtigen Unternehmers.
(Quelle: STRATEGAM Redaktion)
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