Editorial.

Liebe Leser,

Der sozialdemokratische Grundsatz, dass die Starken den Schwachen helfen sollen, wurde selten so überstrapaziert wie dieser Tage im Rahmen der Griechenland – und Euro-Krise. Das Gefühl, ausgenutzt zu werden, ging so tief, dass führende deutsche Familienunternehmen nun in einer Erklärung die Regierung dazu aufgefordert haben, ihre „Euro-Rettungsschirm-Politik“ zu beenden und Austritt– und Ausschlussmöglichkeiten fordern. Denn letztlich bringen die Steuerzahler die notwendigen Summen auf und haften im Fall dass der Schuldnerstaat die Hilfe nicht zurückzahlen kann.
Die Unterzeichner, die jährlich Schätzungen zufolge rund 38 Milliarden Euro umsetzen, wissen, wen diese Steuerlast am härtesten trifft - nämlich sie selbst. Außerdem sind Unternehmer bekanntlich die besseren Ökonomen als Politiker, und wissen im Gegensatz zur Regierung sehr wohl, dass alle bisherigen großzügigen Maßnahmen zur Stützung von EU-Schuldnerländern (nämlich Griechenland, Portugal und Irland) im Ansatz untauglich waren, die realwirtschaftlichen Probleme dieser Länder zu lösen: Griechenlands öffentliche Kassen sind trotz der gewährten Notkredite der Euro-Partner in Milliardenhöhe leer. Die Rede ist hier von 500 Millionen Euro, die der griechische Staat deutschen Firmen schuldet.
Ganz besonders bitter dürften deutschen Kleinunternehmern und – Gründern diese Zahlen aufstoßen: Galt nicht noch vor wenigen Wochen die Sorge der Bundesregierung der Sicherheit des Sozialstaates, weil die Zahl der selbständigen Hartz-IV - Empfänger sich auf rund zwei Prozent aller Unternehmer erhöht hatte? Wenn es um finanzielle Zugeständnisse geht, steht man deutschen Betrieben zur Zeit eher misstrauisch gegenüber, so viel steht fest. Wenn es aber um finanzielle Hilfen geht, die Unternehmen erbringen sollen, ist man voller Vertrauen: Phillip Rösler hat nun eine Investorenkonferenz zusammengerufen, auf der er mit den Präsidenten deutscher Wirtschaftsverbände über Hilfsinvestitionen von bis zu 50 Milliarden Euro in die marode griechische Wirtschaft verhandeln will.

Mit den besten Grüßen,

Andreas Schilling

Unterschrift Editorial

Founder
STRATEGAM Beraternetzwerk